Eine kleine Einführung in die Osteopathie

Die Osteopathie als angewandte Humanwissenschaft fußt auf 140 Jahren therapeutischer Erfahrung. Sie findet immer raschere Verbreitung und Anerkennung in Deutschland. Immer mehr Fachärzte arbeiten mit Osteopathen zusammen, da die Osteopathie die Schulmedizin sinnvoll ergänzt. Immer mehr interessierte Patienten wie Sie suchen einen qualifizierten Therapeuten. Gerne möchte ich Ihnen einen Einblick geben, nach welchem Osteopathie-Verständnis ich ausgebildet bin und meine Patienten behandle.

Was ist Osteopathie?

Die Osteopathie ist eine manuelle Heilmethode und basiert auf der präzisen Kenntnis medizinischer Grundlagenfächer wie Anatomie, Physiologie, Pathologie, Biomechanik und Embryologie. Die Wirksamkeit osteopathischer Techniken verlangt eine hohe fachliche Kompetenz und einen langjährig geschulten, sehr feinen Tastsinn.

Die Osteopathie dient dem Erkennen und der Behandlung von Funktionsstörungen. Der Osteopath untersucht mit seinen Händen das Gewebe des ganzen Körpers um etwaige Bewegungseinschränkungen aufzuspüren und dann sanft aber effektiv zu behandeln. Dabei steht aber nicht nur die Erkrankung im Vordergrund. Ebenso wichtig ist die Nutzung des aktuellen Potenzials des Patienten gesund zu werden.

Die Osteopathie betrachtet alle Gewebe des Körpers in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit und ihrem Zusammenwirken. Sie versteht den Menschen ganzheitlich. Das Zusammenspiel von Körper, Psyche und sozialem Umfeld ist dabei ganz wichtig, ebenso ein respektvoller Umgang mit schützenden Grenzen des Patienten.

Die Osteopathie geht von der Annahme aus, dass der Körper prinzipiell selbst in der Lage ist sich zu regulieren. Damit die Selbstheilungskräfte des Körpers funktionieren, sollten alle Strukturen gut beweglich und gut versorgt sein.

Jedes Körperteil, jedes Organ benötigt zum optimalen Funktionieren Bewegungsfreiheit. Ist die Beweglichkeit eingeschränkt, entstehen aus Sicht der Osteopathie zunächst Gewebespannungen und darauf folgend Funktionsstörungen. Die Summe dieser Fehlfunktionen kann der Organismus aus Sicht der Osteopathie nicht mehr kompensieren – es entstehen Beschwerden. Beim Forschen nach den Ursachen der Beschwerden im menschlichen Körper stehen eine Strukturstörung und die daraus resultierende Fehlfunktion im Vordergrund. Diese sogenannte somatische Dysfunktion gilt es aufzuspüren und zu beheben.

Osteopathie behandelt vorbeugend und ist bei vielen Krankheiten sinnvoll, da diese oft Ausdruck eines gestörten Zusammenspiels der verschiedenen Systeme des Körpers und der Organe sind. Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung der Harmonie. Teilweise benötigt der Osteopath Befunde aus der klinischen Diagnostik wie Röntgenbilder und Laborwerte. Sie helfen ihm, seine eigenen Möglichkeiten als Osteopath einzuschätzen.

Der Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still (1828 -1917) beschrieb drei wichtige Grundmerkmale, die bis heute die Ecksäulen der Osteopathie darstellen, wie folgt:

1. Struktur und Funktion
Unser Körper besteht aus unzähligen Strukturen wie Knochen, Muskeln, Sehnen und Organen. Ein Knochen beispielsweise ist eine harte Struktur, die dem Körper Halt gibt, für Festigkeit sorgt und vor Druckbelastung oder Zugbelastung schützt. Ein Muskel hingegen kann sich zusammenziehen und dehnen und ermöglicht so erst den Knochen, sich zu bewegen. Es ist jeweils die Funktion, die eine Struktur zu dem macht, was sie ist.
Ändert sich die Funktion, dann ändert sich auch die Struktur. So wächst ein Knochen, wenn er ständig unter Druck- und Zugbelastung steht, genauso wie ein Muskel stärker wird. Werden Knochen oder Muskeln nicht mehr gebraucht, dann werden sie schwach und verkümmern. Gleiches gilt für alle anderen Strukturen des Körpers: ein Mehr an Funktion führt meist zu einem Mehr an Struktur und umgekehrt.

Für die Osteopathie ist dieses Prinzip der gegenseitigen Abhängigkeit von Struktur und Funktion wichtig. Denn Funktionsstörungen zeigen sich als beeinträchtigte Bewegungen einer Struktur. Indem der Osteopath die Bewegungen überprüft, kann er eine Funktionsstörung feststellen. Anschließend hilft der Osteopath mit seinen manuellen Techniken der Struktur zu ihren ursprünglichen Bewegungen zurückzufinden. Stimmen die Bewegungen der Struktur wieder, dann kann diese erneut in vollem Umfang funktionieren.

2. Untrennbare Einheit
Unser Organismus besteht aus unzähligen Strukturen, die alle miteinander direkt oder indirekt zusammenhängen. Den Zusammenhang stellen die Faszien her, dünne Bindegewebshüllen, die jede Struktur umgeben und gemeinsam eine große Körperfaszie bilden. Für die Osteopathie sind sie von großer Bedeutung. Denn folgt der Osteopath mit seinen Händen einer Faszie, so gelangt er von einer Körperstruktur zur nächsten. Faszien verbinden auch solche Strukturen, die funktionell nichts miteinander zu tun haben. Faszien können zudem Veränderungen übertragen, wie etwa Funktionsstörungen. Dies erklärt, warum Ursachen an einer Stelle oft zu Beschwerden in ganz anderen Körperregionen führen. Funktionsstörungen können deshalb immer den gesamten Organismus betreffen. Darum behandelt die Osteopathie nie einzelne Beschwerden oder Krankheiten, sondern immer den Patienten in seiner Gesamtheit.
3. Selbstheilungskräfte
Gesundheit ist kein Ziel, das wir erreichen, sondern eine Art Gleichgewicht, das unser Körper halten will. Das ist gar nicht so einfach, denn unser Körper ist ständig inneren und äußeren Einflüssen ausgesetzt, die ihn aus diesem Gleichgewicht bringen. Solange unser Körper dieses Gleichgewicht halten kann, sprechen wir von Gesundheit. Geht dieses Gleichgewicht verloren, dann erkranken wir. Doch selbst wenn wir erkranken, gibt unser Körper nicht auf, sondern versucht, wieder gesund zu werden, also ein neues Gleichgewicht herzustellen.

Die Fähigkeit unseres Körpers, Gesundheit zu halten oder bei Erkrankung wiederzuerlangen, verdanken wir seinen Selbstheilungskräften. Diese zeigen sich auf vielfältige Weise, etwa wenn gerinnendes Blut eine Wunde verschließt, wenn Bakterien bei Entzündungen abgewehrt werden, wenn unser Körper nach einer Viruserkrankung gegen die gleiche Erkrankung immun wird oder wenn ein Knochen nach einem Bruch wieder zusammenwächst.

Meist entstehen Beschwerden oder Erkrankungen, weil eine Bewegungseinschränkung eine Struktur daran hindert, richtig zu funktionieren. Eine solche Funktionsstörung kann früher oder später sogar die Struktur schädigen. Daher wird ein Osteopath immer versuchen, Bewegungseinschränkungen zu lösen. Damit unterstützt er die Selbstheilungskräfte, die dann voll wirken können.

Gebiete der Osteopathie

In der Entwicklung der Osteopathie haben sich folgende Gebiete differenziert:

Parietale Osteopathie

  • Untersuchung und Behandlung der Gelenke in Funktion und Beweglichkeit in Abhängigkeit zu anderen Körpersystemen
  • Verwandte Techniken finden sich in der heutigen Zeit in der Manuellen Therapie und in der Chirotherapie.

Viszerale Osteopathie

  • Normalisierung der Organbeweglichkeit
  • Unterbrechung von negativen neurovegetativen Afferenzen.
  • Wiederherstellung des internen Organmilieus

Kraniosakrale Osteopathie

  • Normalisierung der Mobilität der Schädelknochen
  • Verbesserung der Liquorzirkulation
  • Entspannung der Meningealmembranen
  • Neurovegetative Integration

Quellen:
BVFO Berufsverband Funktionelle Osteopathie e.V.
VOD e. V. Bundesvertretung der Osteopathen in Deutschland
BVO Bundesverband Osteopathie e.V.

Anwendungsgebiete der Osteopathie

Die Osteopathie kann in allen medizinischen Bereichen Anwendung finden, in denen funktionelle Störungen die Ursache für die Beschwerden sind. Dabei kann die Osteopathie als erste Maßnahme, aber auch begleitend zu anderen medizinischen Behandlungen eingesetzt werden. Letzteres vor allem dann, wenn es sich um schwere Pathologien, also ernste Erkrankungen, handelt.

Typische Indikationen:

  • Rückenschmerzen
  • Bandscheibenprobleme
  • Schulter- und Nackenschmerzen
  • Schleudertrauma
  • Verstauchung
  • Tennisellenbogen
  • Arthrosebeschwerden
  • Verdauungsbeschwerden
  • Atemwegsbeschwerden
  • Kreislaufbeschwerden
  • Urogenitale Beschwerden
  • Narben
  • Kopfschmerzen
  • Skoliose
  • Nebenhöhlenentzündung
  • Mittelohrentzündung
  • Kieferfehlstellungen
  • Schädelasymmetrien
  • Aufmerksamkeitsdefizit (ADHS)
  • und andere.

Alle hier aufgeführten Indikationen sind Beispiele und bedeuten in keinem Fall ein Heilsversprechen. Auch kann eine osteopathische Behandlung im Einzelfall nicht angezeigt sein, zum Beispiel in der Notfallmedizin, bei Tumorerkrankungen oder schwerwiegenden infektiösen Erkrankungen. In jedem Fall ist eine interdisziplinäre Behandlung des Patienten erstrebenswert, um die Gesundung des Patienten zu optimieren.

Die osteopathische Behandlung

Nach ausführlicher Anamnese (Befragung) erfolgen Diagnose und Therapie ausschließlich mit den Händen. Der Osteopath kann bei der Untersuchung das menschliche Gewebe Schicht für Schicht erspüren (palpieren). So spürt er Bewegungseinschränkungen und Spannungen auf. Das Palpieren ist die Grundlage der osteopathischen Diagnostik und Behandlung. So ist es nicht nur möglich, die Beschaffenheit, die Temperatur, die Spannung, die Beweglichkeit der Haut zu erkennen, sondern auch das darunter liegende Gewebe, die Muskeln, Bänder, Faszien, Knochen und inneren Organen zu erkunden und sich dabei vom Ausdruck des Gesamten leiten zu lassen.

Osteopathie beschränkt sich nicht auf die Behandlung einzelner Symptome, sondern sieht immer den Menschen als Ganzes und sucht dabei in der Krankheit die Gesundheit zu finden und zu fördern.

Eine osteopathische Behandlung dauert zwischen 40 und 50 Minuten. Der Körper kann etwa zwei bis drei Wochen lang reagieren, das heißt, es kann auch zu einer kurzfristigen Verschlimmerung der Beschwerden kommen. Jede neue Therapiesitzung wird individuell auf die Symptome des Patienten abgestimmt. Nach 4-6 osteopathischen Behandlungen sollte üblicherweise eine Besserung der Beschwerden zu verzeichnen sein. Manchmal reicht auch eine Sitzung. Der genaue Verlauf ist jedoch vom Einzelfall abhängig.

Kosten

Osteopathische Leistung
Ärzte und Heilpraktiker rechnen die osteopathische Leistung nach den eigenen berufsständischen Gebührenordnungen ab. Für eine Sitzung mit ausführlicher Anamnese, Untersuchung und Behandlung mit unterschiedlichen osteopathischen Techniken liegen die Kosten zwischen 60 und 150 Euro.
Kostenerstattung durch Krankenkassen
Seit Inkrafttreten des Versorgungsstrukturgesetzes Anfang 2012 erstatten mittlerweile über 100 gesetzliche Krankenkassen anteilig die Kosten für Osteopathiebehandlungen. Wenden Sie sich direkt an Ihre Krankenkasse und informieren sich über deren Vertragsbedingungen. Von Kassenseite und auch den einzelnen Sachbearbeitern innerhalb einer Kasse wird die Erstattung osteopathischer Leistungen unterschiedlich betrachtet. Auch werden von manchen Kassen Heilpraktiker-Rechnungen nicht erstattet. Klären Sie daher bitte im Vorfeld mit Ihrem Sachbearbeiter, ob Ihre Kasse die Rechnung der Osteopraxis Jens Neddermeyer anteilig erstattet.

Sie möchten noch mehr erfahren? Oder haben Sie Fragen, auf die Sie bisher keine Antwort gefunden haben? Ich freue mich Ihnen weiterhelfen zu können.

Meine Frage an Jens Neddermeyer